Sind Sie vielleicht hochsensibel?

Alles geben Götter,

die unendlichen, 

Ihren Lieblingen ganz,

Alle Freuden, die unendlichen,

Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz. 

Das hat Goethe gesagt, und auf wen trifft das wohl besser zu als auf die Hochsensiblen unter uns? Die Hochsensibilität habe ich zwar unter die Probleme der Seele ingeordnet, doch im Grunde stimmt das nicht so ganz: Problematisch ist eigentlich eher, dass es der Umgebung so oft an Sensibilität fehlt. Ob Sie tatsächlich hochsensibel sind, können Sie  ganz leicht mit einem Test herausfinden. 

Aber Sie merken ja selber, wie empfindlich Sie auf Sinneseindrücke (Sehen, Hören, Spüren, Riechen, Schmecken...) und überhaupt auf Einflüsse von außen reagieren, wie einfühlsam Sie sich in andere Menschen hineinversetzen können, wie gewissenhaft Sie arbeiten, wie zuverlässig Sie sich an Verabredungen halten... Und dann (das ist eben die Kehrseite der Medaille) natürlich auch, wie enttäuscht Sie oft sind, weil Kollegen, Freunde, ja, sogar Mitglieder der eigenen Familie öfter einfach mal „Fünfe grade sein lassen“. 

 

Sie sind in Ordnung, so wie Sie sind!

Viele Hochsensible schämen sich in Grund und Boden dafür, anders zu sein als ihre robusteren Altersgenossen. Ja, womöglich hat auch Ihnen Ihre Familie schon früh im Leben signalisiert, dass Sie „sich alles viel zu sehr zu Herzen nehmen“ oder „sich doch nicht so anstellen sollen“. Aber zum einen ist diese besondere Art der feinnervigen Empfindsamkeit (die von Unbedarften leider gern mal mit Labilität verwechselt wird) angeboren und lässt sich eben nicht so ohne weiteres durch Erziehung oder „mehr Selbstdisziplin“ verändern. Zum anderen finde ich es äußerst fragwürdig, sich mühselig an grobgestrickte rücksichtslose Leute anzupassen. Denn, um ein altes Sprichwort einfach mal umzukehren: 

 

Aus einer Rose wird eben kein Kohlkopf

Und das ist doch wunderbar so! Einfühlsame Menschen kann es ja im Grunde kaum genug geben. Wer sonst soll denn die Welt retten? Das sage ich hier ganz bewusst, denn gerade die Weltrettungs-Phantasie ist unter den Hochsensiblen weit verbreitet. Auch wenn Ihnen das wohl kaum im Alleingang gelingen wird, ist es doch eine gute Idee und zutiefst befriedigend, wenn Sie selbst Ihren Teil dazu beizutragen! Allerdings müssen Sie ja trotzdem mit Ihren Mitmenschen zurechtzukommen. Dazu gehört zunächst mal, dass Sie sich vor Augen halten:

 

Es sind die anderen, die anders sind!

Dass deren Verhalten Ihnen so grob, ja, oft verletzend erscheint, bedeutet keineswegs, dass Ihre Mitmenschen es absichtlich darauf anlegen, Ihnen weh zu tun. Jeder von uns neigt allerdings dazu, von den eigenen Erfahrungen ausgehend auf andere Menschen zu schließen. Deshalb können Sie sich, trotz Ihrer Intuition, sicher nur mit Mühe vorstellen, dass die anderen eben nicht über die gleichen feinen Antennen verfügen wie Sie. Noch schwerer aber fällt es den anderen, sich in Hochsensible  wie Sie hinein zu versetzen! Es fehlt ihnen einfach die Phantasie dafür... Deswegen sollten Sie sich unbedingt klar machen:

 

Ihre scheinbare Schwäche ist Ihre Stärke

Im Umgang mit Hochsensiblen geht es den anderen wie Leuten, der sich ein Symphoniekonzert anhören „müssen, obwohl sie doch völlig unmusikalisch sind. Können sie sich daran freuen? Kaum. Begreifen sie, warum das Publikum hingerissen lauscht? Nicht die Bohne. Insofern sind sie wahrhaftig arm dran! 

Daher sollten Sie zunächst einmal mit Hilfe der Klopf-Akupressur zu einer positiven Einstellung zu sich selbst finden, statt sich darüber zu grämen, dass Sie nicht einfach so sein können wie Hinz und Kunz. „Wer will das schon?!“ werden Sie denken, sobald Sie begriffen haben, dass Ihre scheinbare Schwäche in Wirklichkeit Ihre Stärke ist!

 

So lernen Sie, sich abzugrenzen

Abgrenzung ist eine besonders schwierige, aber genau deswegen höchst wichtige Aufgabe für die Hochsensiblen, weil deren Spiegelneuronen sozusagen ständig feuern und sie daher andere Menschen viel zu oft wichtiger nehmen als sich selbst. Die große Gefahr für alle, die immer nur den anderen helfen wollen und dauernd damit beschäftigt ist, deren Fehler auszubügeln, anstatt die Verantwortung dafür dort zu lassen, wo sie hingehört, heißt: Sich selbst aus den Augen zu verlieren. Das kann eines Tages mit einem Burn-out enden!

Ein kluger Mensch (undankbarerweise habe ich seinen Namen vergessen) hat einmal gesagt: „Es ist nicht nötig, von allen netten Menschen geliebt zu werden.“ Ich möchte ergänzen: „Es ist nicht einmal möglich...“. Erfreulicherweise kann die Klopf-Akupressur Ihnen dazu verhelfen, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen. Und dadurch schließlich der Mensch zu werden, der Sie im Grunde Ihres Herzens ja tatsächlich sind...

 

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