Trauer, Kummer, Seelenschmerz

Wenn Sie mittendrin stecken in der Trauer um einen geliebten Angehörigen, oder wenn Sie gerade einen großen Kummer durchstehen müssen, weil Sie betrogen und verlassen worden sind, dann wird es Ihnen sicher schwer fallen, Trost zu finden. Dass wir leider alle solche schweren Zeiten hin und wieder durchleben müssen, es sei denn, wir sterben jung  – das ist in der Theorie wohl jedem von uns klar. Im wirklichen Leben allerdings würden wir liebend gern darauf verzichten. Selbst wenn wir, wie es heißt, dadurch reifer und duldsamer werden... 

 

Ja, Scheiden tut weh!

Einen geliebten Menschen durch den Tod zu verlieren ist schon schlimm, kein Zweifel. Noch viel schwerer zu verkraften ist aber oft eine Trennung. Selbst wenn, nein: gerade dann, wenn sich fortan der Liebste mit der dummen Blondine aus der Buchhaltung oder die Ex-Frau mit dem Schönling aus dem Französisch-Kurs so viel besser versteht als mit Ihnen, selbst wenn er (oder sie) förmlich aufblüht in der neuen Beziehung: Sie selber leiden fürchterlich. Angeblich soll es ja irgendwelchen Übermenschen irgendwo und irgendwann mal trotz Herzschmerz und Demütigung gelungen sein, dem anderen das frische Liebesglück aufrichtig zu gönnen. Doch fest steht: Normale Sterbliche schaffen das nicht. Ganz ehrlich: So was kann jedem den Boden unter den Füßen wegziehen...

 

Also ein Fall für Anti-Depressiva?

Wenn Sie so unvorsichtig sind, sich mit Ihrer Seelenpein an einen Arzt zu wenden, dann stellen Sie womöglich fest: Zunächst hört sich der gute Doktor das herzzereißende Wehklagen noch geduldig an; schließlich aber greift er doch zum Rezeptblock und verordnet ein Antidepressivum, das ihm von einem der Pharmavertreter, die ja regelmäßig in den Arztpraxen aufkreuzen, als äußerst wirksam und dennoch erfreulich arm an Nebenwirkungen empfohlen worden ist. Leider wird es sich kaum als das Wundermittel erweisen, für das Sie und zweifellos auch Ihr Arzt es halten, obwohl es wahrscheinlich Ihre sämtlichen Empfindungen dämpft. Nach einiger Zeit wird Ihr Arzt Ihnen erklären, dass Sie die Kapseln bis ans Lebensende nehmen müssen, trotz der Schlafstörungen und der Tagesmüdigkeit, der unschönen Gewichtszunahme und der beängstigenden Herzrhythmusstörungen, die damit einhergehen. Sollten Sie tatsächlich mal versuchen, das Mittel abzusetzen, kehren Sie bald reumütig dazu zurück, denn ohne das leiden Sie erst recht... 

Wie der Arzt und Forscher Dr. Peter Ansari und seine Frau Sabine als Heilpraktikerin (und früher selbst Betroffene!) schlüssig nachgewiesen haben, lindern Antidepressiva die Niedergeschlagenheit und innere Leere zwar kaum mehr als Placebos. Doch durch das chemische Ungleichgewicht, das sie im Gehirnstoffwechsel anrichten, rufen sie beim Absetzen nahezu unerträgliche Entzugserscheinungen hervor.

Deswegen tun Sie gut daran, sich, so schwer es fallen mag, auch im Trauerfall auf die Selbstheilungskräfte Ihrer Seele zu besinnen, statt zu versuchen, den seelischen Schmerz mit Medikamenten abzukürzen. Unsere Lebenserfahrung hat uns schließlich alle gelehrt: 

                         

Die Zeit heilt wirklich alle Wunden

Diese Einsicht auf dem Höhepunkt des Leidens ist allerdings zu viel verlangt. Wer kann sich schon in der brütenden Sommerhitze vorstellen, in wenigen Monaten vielleicht mit nasskalten Füßen durch Schneematsch zu stapfen? Genauso unmöglich erscheint es Ihnen vermutlich, während Sie sich zutiefst verzweifelt und todunglücklich fühlen, ein Bild von sich selbst als der optimistischen Frohnatur heraufzubeschwören, die Sie einst gewesen sind und ganz gewiss eines Tages auch wieder sein werden... Vor allem dann, wenn Sie sich auch noch mit Selbstvorwürfen quälen. Allerdings:

 

Sie sind nicht für ALLES verantwortlich!

Geprägt durch die Parolen des Neoliberalismus halten wir uns gern selber für unseres Glückes Schmied. Normalerweise ist es ja durchaus gesund und fördert die Karriere, den eigenen Einfluss auf den Verlauf des Lebenswegs ständig zu überschätzen. Doch dieses viel gepriesene „positive Denken“ rächt sich bitter, sobald uns ein heftiger Schicksalsschlag aus der Bahn wirft. Denn die Kehrseite der Medaille heißt ja: Auch für unser Unglück sind wir ganz allein selbst verantwortlich. Schon der Dichter Theodor Storm empfahl ja: „Vom Unglück erst zieh ab die Schuld. Das Übrige trag mit Geduld. Und die Frage, ob wir das, was uns jetzt quält, nicht hätten verhindern können, wenn wir nur klüger, aufmerksamer, liebevoller oder sonstwie anders gewesen wären, kann uns lange Zeit umtreiben und uns tatsächlich das Herz brechen.

Genau hier setzt die Klopf-Akupressur an.

Nein, leider bringt sie Ihnen niemanden zurück, den Sie schmerzlich vermissen, weil er gestorben ist oder Sie endgültig verlassen hat. Das nicht!

Aber sie beendet immerhin das ewig kreisende Gedankenkarussell von „hätte ich doch bloß...“ und „wäre ich doch nur...“, das Sie daran hindert, den Kummer nach und nach loszulassen und auf Ihrem eigenen Lebensweg weiter zu gehen.

Das kann in solchen schlimmen Zeiten schon eine riesengroße Hilfe sein...

 

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