Wuchtiger Zorn! Ungezügelte Wut!

Beim Stichwort „Zorn“ muss ich unwillkürlich an den Kabarettisten Georg Schramm alias Lothar Dombrowski denken: „Die Vernunft kann sich mit grrrößerrrer Wucht dem Bösen entgegens-tellen, wenn der Zorrrn ihr dienstbar zur Hand geht.“ Auch seine Abgrenzung zur Wut als der „zügellosen, unbeherrschten Schwester des Zorrns“ leuchtet mir ein. Beides sind starke Gefühle, die zuweilen nur allzu berechtigt sind und bei bestimmten Anlässen heftig auflodern können, aber gemeinhin rasch wieder verpuffen. Insofern dürften sie für den Erzürnten selbst eher harmlos sein, sofern sie sich nicht gegen Personen im näheren Umfeld richten.

Denn natürlich werden vor allem Kinder und Mitarbeiter durch unberechenbare Ausbrüche dieser Art in Angst und Schrecken versetzt (aber das ist wieder ein anderes Kapitel). 

 

Die chronische Form: Ärger und Groll

Richtig schlecht bekommt es Ihnen selbst hingegen, wenn Ihre heftigen Zorn- und Wutgefühle sich zwar abschwächen, dann aber zu ständigen Begleitern werden: Als Ärger oder ständige Gereiztheit, als Neid, Missgunst, Groll oder Verbitterung. 

Der Ärger schlägt mir auf den Magen,“ das hören wir öfter mal, und das schmerzverzerrte Gesicht dazu spricht Bände. Wenn Sie Groll hegen, der gewiss nicht weniger wehtut, schieben Sie damit dem Gegenüber die gesamte Schuld zu, während Ihr eigener Anteil daran gegen Null geht. „Was der mir angetan hat, das verzeihe ich ihm nie!“ Und Verbitterung? Wir alle kennen alte Menschen, deren Gesichter von jahrzehntelanger Bitterkeit gezeichnet sind. Niemand von uns möchte doch wohl freiwillig so aussehen... Allerdings:    

 

Rache ist süß! Oder?

Rachedurst, so verständlich er in vielen Lebenslagen sein mag, ist durchaus kein gesundes Gefühl. Es gibt da die chinesische Sage von einem Helden, der sich Tag für Tag spitze Dornen innen in die Schuhe steckte, um bloß nie zu vergessen, dass er mit seinem Gegner noch eine Rechnung offen hatte... Was könnte uns deutlicher zeigen, dass wir uns selber durch Revanchedenken ständig neue Schmerzen zufügen? Jemandem zu verzeihen ist nämlich nicht nur für den Schuldigen eine Erlösung, sondern auch für Sie selbst, sofern man Ihnen Übles angetan hat: Zum einen als Geste der Großmut, die einfach jedem gut zu Gesicht steht. Zum anderen aber, und das wiegt hier schwerer, als wertvolle Hilfe dabei, sich ein für allemal von den Gespenstern der Vergangenheit zu befreien.

 

Gewiss, es gibt auch Unverzeihliches...

Ja, zweifellos gibt es Taten, die einer engen Beziehung voll Liebe und Harmonie lebenslang im Weg stehen: brutale Misshandlung beispielsweise oder sexueller Missbrauch. In solch einem Ausnahmefall mag statt vorschneller Vergebung das Kappen sämtlicher Verbindungen durchaus angemessen sein, und es wäre grundverkehrt, krampfhaft gute Miene zum bösen Spiel“ zu machen, nur, weil vielleicht auch die Täter früher einmal Opfer waren. Glücklicherweise aber kommen solche schlimmen Erfahrungen eher selten vor. Viel öfter stellt sich heraus, dass es sich bei dem unverzeihlichen Verhalten ursprünglich um eine echte Lappalie, vielleicht sogar nur um ein dummes Missverständnis gehandelt hat. 

 

Die Kunst der Versöhnung

Selbst wenn sich ein bestimmter Mitmensch nachweislich saublöd, taktlos oder boshaft benommen hat, selbst wenn er vielleicht sein Versprechen gebrochen oder etwas ausgeplaudert hat, worüber er Stillschweigen gelobt hatte: Die Enttäuschung darüber mag durchaus berechtigt und verständlich sein. Andererseits: Sind Sie selbst denn so vollkommen, dass bereits mehrfach Ihre Heiligsprechung angeregt wurde? Und falls ja: Sollten Sie nicht gerade dann, aus Ihrer Position der Stärke heraus und voll gesundem Selbstvertrauen, die Hand zur Versöhnung ausstrecken? Ihrem eigenen Seelenfrieden zuliebe?

 

Von ganzem Herzen vergeben!

Die Klopf-Akupressur kann Sie insofern unterstützen, als Ihnen das Vergeben dadurch leichter fällt, ohne dass Sie die Sache gleich ganz und gar vergessen müssen. Übrigens: Vergeben sollten wir stets von ganzem Herzen und, noch wichtiger, ein für allemalDenn mit einem grämlichen „jaja, schon gut!“ scheinbare Nachsicht zu üben, nur, um dem anderen seine Missetat dann bei nächstbester Gelegenheit doch wieder unter die Nase zu reiben: Das untergräbt nicht nur jede zwischenmenschliche Beziehung, sondern hält vor allem Sie selber in kleinlicher Feindseligkeit gefangen und hindert Sie letztlich daran, der Mensch zu werden, der Sie im Grunde Ihres Herzens sind.

 

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