Die Klopf-Akupressur

Die Ursprünge der Klopf-Akupressur reichen rund 5000 Jahre zurück. Im Gegensatz zur modernen Schulmedizin, die den menschlichen Organismus gern als eine Art Maschine betrachtet, bei der man hier mal ein Schräubchen anziehen und dort ein paar Tropfen Öl nachfüllen muss, um alle Funktionen wieder in Gang zu bringen, ging es den chinesischen Ärzten seit jeher um die Lebenskraft Chi (auch Qi geschrieben, wie in Qi Gong, was so etwas wie „Arbeit an der Lebenskraft“ heißt). Strömt das Chi (oder Qi) entlang der sogenannten Meridiane gleichmäßig durch den Körper, sind wir gesund. Gerät sie aber durch widrige Umstände mal ins Stocken, fühlen wir uns elend und werden krank (denselben Ansatz finden wir übrigens auch in der Homöopathie nach Samuel Hahnemann).

Um das Chi wieder zum Weiterfließen zu bringen, haben die traditionellen chinesischen Mediziner die Haut an bestimmten Meridian-Punkten beispielsweise durch das Abflämmen von getrockneten Kräutern erwärmt oder mit Akupunktur-Nadeln gespickt, oder auch die Umgebung dieser Punkte mit den Fingerspitzen massiert, sprich: gerieben oder beklopft.  

Auf dieser Grundlage entwickelte der 2013 verstorbene Psychologe Roger Callahan für seine amerikanischen Patienten in den1980er Jahren eine psychotherapeutische Behandlungsmethode, die er „TFT“ nannte, Thought Field Therapy“, auf Deutsch also etwa: Therapie anhand von Gedankenfeldern. Er hatte nämlich entdeckt, dass sich unser Befinden erstaunlich verbessern kann, wenn wir uns in Gedanken auf bestimmte Probleme konzentrieren und dabei nacheinander verschiedene Meridianpunkte beklopfen.

Von der Begeisterung seiner Patienten beflügelt machte er sich daran, seine Methode zu systematisieren: Jeder einzelnen psychischen Störung, die ihm in seiner Praxis begegnete, versuchte er eine eigene Kombination von Klopfpunkten zuzuordnen.

Falls Sie sich noch an die Kombinatorikaufgaben aus dem Mathematikunterricht erinnern, können Sie sich vorstellen, was für eine unglaublich Vielfalt möglicher Klopf-Abfolgen das schließlich hätte ergeben müssen... Welcher Therapeut sollte sich das alles merken?

Zum Glück für ihn und uns jedoch begegnete er dann Gary Craig, einem an der Universität von Stanford ausgebildeten Ingenieur, der sich zum einen brennend für Psychologie und Psychotherapie interessierte, zum anderen aber auch noch höchst praktisch veranlagt war.

 

Gary Craig und seine EFT

Nachdem Gary Craig sich von Roger Callahan in dessen System hatte ausbilden lassen, stellte er ihm eine verblüffend geniale Frage: Ergeben sich denn irgendwelche negativen Folgen, wenn man statt der individuell für das jeweilige Leiden festgelegten Meridianpunkt-Abfolge grundsätzlich immer alle (damals ungefähr 20, heute ein paar weniger) für sämtliche seelischen Belange in Frage kommenden Punkte beklopft? Tatsächlich erwies sich diese vereinfachte Methode als ebenso wirksam wie die ursprüngliche: Gary Craig hatte sozusagen den Hauptschlüssel gefunden, anstatt jedem einzelnen Problem einen eigenen Schlüssel aus einem riesigen Schlüsselbund zuzuordnen.

Er nannte seine pfiffige Version von Roger Callahans Behandlungsweise „EFT“, die Abkürzung für „Emotional Freedom Technique“, auf Deutsch etwa: Technik zur Befreiung von negativen Gefühlszuständen.

Gemeint ist, dass uns das Klopfritual in Verbindung mit der Konzentration auf Emotionen wie Scham, Schuldgefühle, Selbstzweifel, Angst, Kummer, Kränkungen, Überempfindlichkeit, Groll, Hass, Wut und dergleichen mehr befreit, die untrennbar mit Erinnerungen an vergangene Erlebnisse verknüpft sind und uns dadurch lähmen, blockieren, klein halten, kurz: uns die Gegenwart und womöglich auch noch die Zukunft zur Hölle machen können.

 

Darf Heilung denn so einfach sein?

Natürlich ist der Name meiner Website www.einfach-klopfen.de ein ganz kleines Bisschen übertrieben. Bevor Sie loslegen, sollten Sie jedenfalls schon wissen, wie und wo und wie lange Sie klopfen müssen,  um sich von negativen Emotionen zu befreien, und vor allem auch, was Sie dabei zu sich selber sagen sollten; denn gerade das spielt bei der Befreiung von Körper, Geist und Seele eine bedeutende Rolle. Doch abgesehen davon ist das Akupressur-Klopfen eine wundervolle Art und Weise, nach und nach das ganze Leben zum Besseren zu wenden: Indem wir die Lasten abwerfen, die uns schlimme Erlebnisse in der Vergangenheit aufgebürdet haben, und dadurch die Fähigkeit (zurück-)gewinnen, nicht nur mit uns mit uns selbst, sondern auch mit unseren Mitmenschen in Frieden und Harmonie zu leben.

Dass die seelische, geistige, ja zuweilen sogar körperliche Heilung so wenig echte Mühe erfordert, dass sie also tatsächlich so einfach sein (und sogar noch Spaß machen) darf, ist zunächst einmal schwer zu begreifen.

Wir alle sind schließlich mit Sprüchen wie „ohne Fleiß kein Preis“ aufgewachsen und haben schon in früher Kindheit gelernt, dass „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ kommt. Von den Krankenkassen anerkannte (und bezahlte!) Methoden wie die Psychoanalyse oder die Verhaltenstherapie sind nun mal nicht nur sehr langwierig, sondern können auch wirklich schmerzvoll sein, wenn dadurch etwa alte Traumata ans Tageslicht geholt und womöglich aufs neue durchgestanden werden müssen. Bei der Klopf-Akupressur hingegen vermeiden wir gerade das weit wie möglich.  

Gary Craig, das sollte ich vielleicht noch ergänzen, hat inzwischen die konkrete Klopf-Akupressur weitgehend hinter sich gelassen und sich für die Genesung von zahlreichen Krankheiten der „unsichtbaren Heilerin“ („the unseen therapist“) zugewandt, die auch in der Hypnosetherapie gern mal ein Gastspiel gibt. 

Ich selber bevorzuge aber nach wie vor das Klopfen, weil es mir wie auch meinen Klienten das tröstliche Gefühl gibt, die Heilung tatkräftig „selbst in die Hand zu nehmen“.

 

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